LESEZEITDeutsch · Klasse 5

EINE HALLOWEEN-GESCHICHTE

Das Klopfen im Lesesaal

Lies die Geschichte. Löse danach die Aufgaben und finde Belege im Text.

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Eine erfundene Geschichte über Mut, genaues Hinsehen und ein ungewöhnliches Halloweenfest.

01 Ein anderer Plan

Am Nachmittag des 31. Oktober blieb die Klasse 5b länger in der Schule. Draußen trieb der Wind gelbe Blätter über den Hof. In den Fenstern spiegelten sich dunkle Wolken. Die Klasse wollte Halloween feiern, aber diesmal nicht mit einem Wettbewerb um das gruseligste Kostüm. Stattdessen hatte sie die Parallelklasse zu einem Lesefest eingeladen. In der Schulbibliothek sollten spannende Geschichten vorgelesen werden. Auf dem Tisch lagen gebastelte Fledermäuse, Papiersterne und ein großer orangefarbener Kürbis. Mila rückte die Stühle zurecht. Ihr Freund Ben trug einen Umhang, der ständig an den Stuhlbeinen hängen blieb. „Wenn ich heute stolpere, gehört das zur Vorstellung“, erklärte er.

02 Licht ohne Flamme

Im Kürbis steckte eine kleine Lampe mit Batterie. Ben hätte lieber eine echte Kerze hineingestellt. „Die flackert schöner“, fand er. Mila zeigte auf die Papierdekoration direkt neben dem Kürbis. „Und wenn jemand dagegenstößt? Die Lampe leuchtet auch, aber ohne offene Flamme.“ Ben nickte und schaltete sie ein. Frau Yilmaz, die Deutschlehrerin, brachte eine Schale mit Apfelstücken. Süßigkeiten gab es ebenfalls, doch niemand musste etwas essen oder ein Kostüm tragen. Wer sich nicht gern gruselte, konnte später am Fenster Rätsel lösen. Mila freute sich besonders auf ihre Geschichte. Sie hatte das Vorlesen geübt und an den spannendsten Stellen kleine Pausen eingeplant.

03 Dreimal klopfen

Kurz bevor die Gäste kamen, hörten Mila und Ben ein leises Klopfen. Es kam aus dem kleinen Lesesaal neben der Bibliothek. Dreimal kurz, dann war es still. Ben blieb mitten in der Bewegung stehen. „Vielleicht ist unser Gespenst schon da“, flüsterte er. Mila lachte, aber ihr Lachen klang dünner als sonst. Wieder klopfte es. Diesmal folgte ein langes Schaben. Durch die Glastür sahen sie einen hellen Schatten am Fenster. Auf einem Tisch lag ein weißes Tuch, das vorher noch nicht dort gelegen hatte. Mila spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Sie glaubte nicht an Gespenster. Trotzdem wollte sie gerade lieber zwischen den anderen Kindern stehen.

04 Erst einmal zuhören

„Wir könnten die Tür aufreißen und laut brüllen“, schlug Ben vor. Mila schüttelte den Kopf. „Falls da jemand arbeitet, erschrecken wir ihn nur. Lass uns erst zuhören.“ Sie warteten. Draußen bog sich ein dünner Ast im Wind. Genau in diesem Moment klopfte es wieder. Als der Wind nachließ, blieb auch das Geräusch aus. Mila zeigte auf das Fenster. „Hast du das gesehen?“ Ben schaute genauer hin. Der Ast reichte bis zur Scheibe. Bei der nächsten Windböe berührte seine Spitze das Glas: klopf, klopf, klopf. Für das Klopfen hatten sie nun eine Erklärung. Aber wer hatte das weiße Tuch auf den Tisch gelegt? Und woher kam das Schaben?

05 Hinter der Glastür

Gemeinsam holten sie Frau Yilmaz. Sie klopfte an die Tür des Lesesaals und öffnete sie langsam. Hinter einem Regal stand der Hausmeister, Herr Roth. Er schob gerade eine Holzkiste über den Boden. Dabei entstand das lange Schaben. „Ich wollte eure Feier nicht stören“, sagte er. In der Kiste lagen alte Bücher für den Büchertausch. Das Tuch hatte er über einen frisch gereinigten Tisch gelegt, damit die staubige Kiste keine Spuren hinterließ. Als er das Tuch anhob, erschien im Fenster wieder der helle Schatten. Ben atmete hörbar aus. „Unser Gespenst sortiert also Bücher.“ Herr Roth grinste. „Und es könnte zwei starke Helfer gebrauchen.“ Mila und Ben trugen ein paar dünne Bücher hinüber zur Bibliothek.

06 Ein Platz am Rand

Inzwischen war die Parallelklasse angekommen. Neben der Tür stand ein Junge mit einer Fuchsmaske in der Hand. Er hieß Emil. Als Ben seinen Umhang ausbreitete, wich Emil einen Schritt zurück. Mila bemerkte es und ging zu ihm. „Möchtest du lieber beim Rätseltisch sitzen? Von dort kannst du auch zuhören.“ Emil nickte. „Ich mag Geschichten. Nur wenn plötzlich jemand schreit, mag ich es nicht.“ Mila versprach, dass es bei ihrer Geschichte keine überraschenden Schreie geben würde. Ben legte seinen Umhang über eine Stuhllehne und setzte sich ebenfalls an den Rätseltisch. Er fragte Emil, ob sie das erste Rätsel gemeinsam lösen wollten. Kurz darauf beugten sich beide über einen Zettel und diskutierten flüsternd.

07 Eine neue Geschichte

Als alle einen Platz gefunden hatten, begann Mila vorzulesen. Sie sprach langsam und machte ihre geübten Pausen. Sogar Herr Roth blieb einen Moment in der Tür stehen. Später erzählten Mila und Ben von dem Klopfen. Einige Kinder lachten. Mila lachte mit, fügte aber hinzu: „Komisch war es erst, als wir wussten, was dahintersteckte.“ Frau Yilmaz fragte, was ihnen beim Herausfinden geholfen hatte. „Warten, genau hinsehen und jemanden dazuholen“, antwortete Ben. Auf dem Heimweg klopfte der Ast noch einmal gegen das Fenster. Diesmal zuckte Mila nicht zusammen. Sie blieb kurz stehen und hörte zu. Vielleicht, dachte sie, würde ihre nächste Geschichte mit genau diesem Geräusch beginnen. Den Titel hatte sie schon: Das Gespenst mit der Bücherkiste.

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